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Die Glosse
ein kurzer und pointierter, oft satirischer oder polemischer Meinungsbeitrag in einem Journal, in einer Zeitung oder Zeitschrift. Zukünftig wird "Die Glosse" auf attac-medien.de fester Bestandteil des Programms. Den Anfang macht Ludger Spellerberg von attac Wuppertal mit der "Abwrackprämie"
Die Abwrackprämie
Der durchschnittlich gebildete Mitteleuropäer und Weltbürger fasst sich an den Kopf. Da erscheint im Frühjahr 2009 als teil eines sogenannten Konjunkturpaketes die Abwrackprämie. Was ist das eigentlich? Cui bono?
Hatte man nicht vor gar nicht all zu langer Zeit die Milleniumsziele samt Klimaschutz auf die Agenda gesetzt? Da war doch was!
In Deutschland hat man offensichtlich die Uhren auf Rückwärtsgang gestellt. Nehmen Sie einen Termin bei Ihrem Hausarzt, bei Ihrem Friseur oder der Fußpflege war, dann stellen Sie vor der Leistungsinanspruchnahme die Frage: Gewähren Sie eine Abwrackprämie?
Man muss doch in Krisenzeiten das Rad nicht neu erfinden. Die Abwrackprämie ist das Perpetuum Mobile ewigen Wachstums. Mit der Abwrackprämie wachsen Bäume in den Himmel. Ein Traum wird war. Wahren noch in den ersten Wochen der Einführung namhafte telegene Ökonomen mit zaudernden Tönen als Bedenkenträger zu vernehmen, so sind ihre Stimmen heute verhallt. Die große Koalition sonnt sich im Lichte der Abwrackprämie. Mit Zuversicht sieht man den Wahltermin am 27. September 2009. Das Stimmvieh wird wohl da ein Kreuzchen machen, wo die Abwrackprämie ihren geistigen Ursprung hatte. Die Kanzlerin schwebt wie eine Autofee über der Republik. Der angeschlagene Koalitionspartner wittert Morgenluft. Die Grünen können nicht soviel Essen wie Sie Kotzen möchten. Die Liberalen sind verunsichert. Die Linken entdecken die Radfahrer als Zielgruppe. Die Umschreibung „find ich geil“ verliert ihren Gebrauchswert in der Alltagsslang. Man sagt einfach nur noch: „find ich abgewrackt! Deutschland, ein Abwrackmärchen.