Eine Glosse zum Ehrenamt von Ludger Spellerberg
€hrenamtlich?
Eine Glosse und Medienschelte von Ludger Spellerberg
Kaum zu glauben, was sich da seit einigen Tagen auf allen Kanälen in den sogenannten meinungsbildenden Medien abspielt. Unterstützt von vielen Vorzeigemenschen singen alle ein Loblied auf das Ehrenamt. Seit dem 15 September wissen wir offiziel, dass der Kapitalismus (Neudeutsch Marktwirtschaft) in der zwölften Runde einen Lucky Punsch einstecken musste, von dem er sich so schnell nicht erholen wird. Die Träner in der Boxbude waren monatelang ratlos, doch jetzt scheint es so, als ob man mit dem Ehrenamt das Ei des Kolumbus gefunden zu haben glaubt. Der Kapitalismus tritt in eine neue Phase ein. Als sehr annpassungsfähig hat er sich ja schon in der Vergangenheit gezeigt. Was haben wir zu erwarten? Nun, die Sache ist ganz einfach. Am Ende dieses Jahres wird sich unsere Gesellschaft grundlegend verändert haben. Die Wirtschaft wird ihre Rahmenbedingungen von einem ehrenamtlichen Wirtschaftsminister zu Guttenberg erhalten. Eine große deutsche Bank wird von einem mit Viktoryzeichen ausgestattetem ehrenamtlichen Vorstandsvorsitzenden in die Zukunft geführt werden. Die großen Autohersteller im Land werden ihre Absatzprobleme gelöst haben. Ehrenamtliche Autoverkäufer erschließen neue Märkte. Der Lohnabhängige verschwindet. Die Selbständigen wandeln sich in Ehrenamtselbstständige. Die Kanzlerin? Ich bitte Sie! Selbstverständlich ehrenamtlich! Unsummen an nicht mehr anfallenden Lohnkosten fließen in öffentliche Kassen und bilden einen großen Topf, den guten Ehrenamtfinanztopf. Von Bad Banks redet niemand mehr. Karl Marx hat in seinem Kapital die Widersprüche des Systems Kapitalismus ausführlich analysiert. Hätte auch er an die Chancen des Ehrenamts gedacht, dann wäre er aufgestanden und hätte ausgerufen: Heureka!